Immer mehr Handelsunternehmen sortieren sich für den Neustart nach dem Lockdown. Hygiene steht auch bei Verbundgruppe EK/Servicegroup weit oben auf der Liste der Maßnahmen. Rewe dagegen weiß, dass dem gestressten Klinikpersonal Applaus von der Bevölkerung nur bedingt hilft. Und die Deutschen entwickeln sich in der Corona-Krise zu Liebhabern des Onlinehandels.

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EK/Servicegroup ist vorbereitet
"Mitmachen, laut werden: Ihre Stimme zählt!" Mit diesem Motto hat die EK/Servicegroup eine Onlinekampagne gestartet, mit der die angeschlossenen Händler der Verbundgruppe für die schrittweise Öffnung ihrer Läden trommeln sollen. Für den Tag X hat die Mehrspartenkooperation einen Katalog mit elf Kapiteln erstellt, mit denen die Wiederaufnahme des stationären Geschäfts organisiert werden soll. Zugangskontrolle, Hygieneregeln, kontaktloser Kassenbereich sowie eingeschränkte Öffnungszeiten gehören zu den Vorkehrungen. Die Zentrale der Verbundgruppe ihren rund 4.000 Händlern zudem Materialien bereit, um auf die aktuellen Probleme der Corona-Krise angemessen reagieren zu können. Es geht hier um Hustenschutz, Desinfektionsstationen, Bodenaufkleber, individualisierbare Informationstafeln für den Laden oder entsprechende Banner für den Online-Auftritt. "Wir sind auf ein mögliches Ende des Shutdowns vorbereitet. Im Vordergrund steht aber bei allem wirtschaftlichen Druck im Handel immer die Gesundheitsfürsorge für Kunden und Mitarbeiter", sagt EK Vorstandsmitglied Susanne Sorg. 

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Einmal online, fast immer wieder online
Die Corona-Krise wird das Einkaufsverhalten der Deutschen verschieben. Und Gewinner ist laut Managementberatung Kearney der Onlinehandel. "Die Krise treibt neue Kunden ins Internet. In manchen Branchen steigt die Nachfrage über digitale Kanäle bis zu 300 Prozent", sagt Sebastian Schoemann, Partner und Digitalexperte bei Kearney. Eine entsprechende Konsumentenbefragung ergab, dass mehr als die Hälfte derjenigen, die jetzt verstärkt über den digitalen Kanal einkaufen, das auch nach der Corona-Krise tun wollen: Auf die Frage, ob sie nach Beendigung der Maßnahmen weiterhin mehr online einkaufen als vor dem Ausbruch antworten 52 Prozent mit Ja. Ein Drittel dieser neuen digitalen Kunden sind demnach Erstkäufer, die zuvor nichts im Internet erworben haben. Der verhältnismäßig größte Anteil an Erstkäufern finden sich bei Drogerieartikeln (45,%), bei Heimwerkerartikel (37%) und bei Medikamenten (33,1%). 24% geben darüber hinaus an, seit Corona mehr Bereitschaft zu haben, Produkte online zu kaufen, ohne sie offline gesehen zu haben. Als Ausgangsbasis für die Untersuchung hatte Kearney Suchanfragen bei Google analysiert. In der Umfrage gaben 700 Kunden eine Woche nach Einführung der Maßnahmen zur Eindämmung des Virus Auskünfte zu ihren neuen Präferenzen und Gewohnheiten beim Einkaufen. 
Der Kunde strebt immer mehr ins Internet
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Der Kunde strebt immer mehr ins Internet


Rewe bringt es dem Pflegepersonal kostenlos
Pflege- und Klinikpersonal bekommt derzeit viel Fürsorge, Lob - und Applaus. Das kostet halt nichts. Bringt aber auch nicht viel außer guten Gefühlen. Rewe geht jetzt einen Schritt weiter. Ab sofort bietet der Kölner Lebensmittelhändler dem medizinischen Fachpersonal in den Krankenhäusern bevorzugte Lieferzeitfenster für ihren Einkauf beim Rewe-Lieferdienst an. Online bestellen und direkt vor die jeweilige Haustür liefern lassen, das soll die gestressten Mitarbeiter entlasten. Um das Angebot attraktiver zu machen, erlässt Rewe dem Klinikpersonal die Liefergebühren. Die Klinikmitarbeiter müssen sich dafür lediglich auf der Onlineseite rewe.de/Helden registrieren. Initiator der Aktion ist demnach Professor Dr. Arno Dormann, Chefarzt der Medizinischen Klinik Köln-Holweide. Der Mediziner hatte mir Rewe-Vorstandsvorsitzenden Lionel Souque Kontakt aufgenommen, nachdem viele seiner Mitarbeiter ihm von den Problemen beim Einkauf in Supermärkten berichtet hatten. 
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Der Kunde fühlt sich wohl im Web
Auch das Institut für Handelsforschung (IFH) hat bei den Verbrauchern ein ansteigendes Interesse fürs Onlineshopping ausgemacht. Das ist allerdings nicht überraschend, sind doch die meisten Nicht-Lebensmittelläden derzeit geschlossen. Im regelmäßigen Corona Consumer Check des IFH heißt es: 22% der befragten Konsumenten haben in der vergangenen Woche (vor Ostern) Einkäufe, die sie normalerweise im stationären Geschäft tätigen, online erledigt. Vor drei Wochen war es nur 13% der Befragten. Es sind nicht nur immer mehr Kunden, die im Web kaufen - wie fühlen sich dabei auch immer wohler. Denn in der aktuellen IFH-Befragung gaben 95% der Konsumenten an, mit dem Kauf zufrieden gewesen zu sein. 71% können sich vorstellen, den online gekauften Artikel auch weiter über das Internet zu bestellen. 
Was jetzt in Netz gekauft wird: Kleidung steht auf der Wunschliste oben.
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Was jetzt in Netz gekauft wird: Kleidung steht auf der Wunschliste oben.

Der Branche viele Gesichter geben
Präsenz in den sozialen Netzwerken ist für Händler Gebot der Stunde. So sieht es auch der Handelsverband Deutschland (HDE), der zu einer besonderen Videoaktion aufruft. Händler, die jetzt in Not sind, sollen in kurzen Videostatements ihre Lage beschreiben - aber vor allem, wie kreativ sie mit der Krisenzeit umgehen. Die Videos werden später bei Youtube hochgeladen, eine Auswahl wird außerdem bei Twitter und Facebook unter #HandelIstLeben sowie auf der Homepage www.HandelistLeben.de veröffentlicht, teilt der HDE mit. Alle Bedingungen zum Mitmachen unter www.handelistleben.de/mitmachen-gesicht-zeigen/

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