Steigt Alibaba bei Hermes ein? Plant der China-Riese die Übernahme von Zalando? Spekulationen um die Plattform gibt es reichlich. Sie zeigen vor allem, welche aggressive Expansion von dem Handelsgiganten erwarten wird. Der macht sich gerade in Spanien einmal mehr auf der Fläche breit. Mit gutem Grund.

Mit der Zweitplatzierung der Aktie in Hongkong hat Alibaba nach einem erfolgreichen Börsenstart 11,3 Milliarden Dollar eingesackt. Geld ist also genug da, um das weitere Vordringen in Europa zu stemmen.
Die ersten Schritte sind gemacht.

Gerade erst hat Alibaba das Team in seiner Londoner Zentrale verstärkt  und entfachte damit Spekulationen über einen Einstieg in den Handel in Großbritannien. Bislang hatte man sich dort hauptsächlich darauf konzentriert, das Zahlungssystem Alipay voranzubringen. Zielgruppe: Chinesische Kunden, die in Großbritannien einkaufen.
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Alibaba geht in Europa auf die Fläche

Die Spekulationen über eine Offensive auf der Fläche kommen nicht von ungefähr. Im Sommer hatte Alibaba bereits eine erste europäische Aliexpress-Filiale im zweitgrößten Shopping-Zentrum Spaniens (Xanadú) in Madrid eröffnet. Ende November folgte nun Filiale Nummer 2 in Barcelona im Einkaufszentrum Finestrelles.

Aliexpress in Barcelona

Es dürften vertrauensbildende Maßnahmen für die immer wieder erwartete Europa-Offensive von Alibaba sein.

2 AliExpress-Filialen in Spanien

Wozu Alibaba in Europa auf der Ladenfläche fähig ist, zeigen die AliExpress-Filialen in den Einkaufstempeln beispielhaft. Auf rund 750 Quadratmetern (Madrid) und rund 1.000 Quadratmetern (Barcelona), konzeptionell einem Apple-Store nicht unähnlich,  werden rund 1000 Produkte von 60 Marken präsentiert – darunter auch etliche internationale Brands sowie auch chinesische Hersteller. Die Stores sind vor allem ein Marketing-Vehikel. Alibaba zum Anfassen, um die Frustration mancher Kunden angesichts von Betrügereien, Lieferverzögerungen, fehlerhaften Produkten und Fake-Artikeln zu lindern. AliExpress Plaza verspricht zudem vier Dinge: kostenlose Sendungen in drei Tagen, eine zweijährige Garantie nach spanischem Recht, eine 15-tägige kostenlose Rückgabefrist und keine Zollprobleme.

Wenn es Umsatz geht, drückt man für China besser beide Augen zu. Sonst zeigt China, welche Folgen es für das Geschäft haben kann.
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Internationalisierung

Alibaba – in den Fesseln der kommunistischen Partei?

Der Start in Spanien ist auch nicht beliebig gewählt. Spanien ist einer der wichtigsten Märkte in Europa für Alibaba. Madrid und Barcelona dürften daher als eine Art Proof-of-Concept dienen und wichtige Daten liefern – für andere europäische Märkte.
AliExpress in Madrid
© Aliexpress
AliExpress in Madrid
In der Logistik schlägt der Amazon-Rivale ebenfalls mit ruhiger Hand Pflöcke ein. In Belgien baut Alibaba ein gewaltiges Logistik-Drehkreuz am Flughafen bei Lüttich. 220.000 Quadratmeter Nutzfläche nur für die wachsende Zahl chinesischer Touristen und europäische Waren auf dem Weg nach China?

Mehr Logistik-Standorte

Es ist nicht die einzige Basis in Europa. Ein hochautomatisiertes Lager existiert in Tschechien bei Prag (68.000 Quadratmeter Lagerfläche). Im Verbund mit dem Alibaba-Dienstleister 4PX Express bestehen bereits Logistikzentren (Ginsheim-Gustavsburg beim Frankfurter Flughafen und Grolsheim bei Bingen)  als Brückenköpfe in Deutschland. Zusammen bringen sie es auf 34.000 Quadratmeter. Auch auf Hamburg und andere europäische Städte hat man wohl ein Auge geworfen.

Es sind vor allem USA und China, die massiv in neue Technologien investieren.
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Plattformökonomie

So rollen Alibaba, Amazon und Co den europäischen Markt auf

Seit rund zwei Jahren ist Alibaba obendrein Mehrheitseigner von Cainiao, einem Zusammenschluss mehrerer großer Logistikunternehmen in China. Mit Cainiao, wiederum wohl an 4PX beteiligt, verfolgt Alibaba das Ziel, Bestellungen aus der Volksrepublik binnen 24 Stunden weltweit zu ihren Zielen zu bringen.
Die kleinen Roboter sind bei Alibaba für die Intralogistik zuständig.
© Alibaba
Die kleinen Roboter sind bei Alibaba für die Intralogistik zuständig.
Alibaba interessiert sich aber nicht nur für Logistik-Flächen. Anfang des Jahres übernahmen die Chinesen für 90 Millionen Euro das Berliner Start-up data Artisans. data Artisans baut Software für Live-Datenanwendungen. Zu den Investoren des Start-ups gehörten unter anderem btov Partners, Tengelmann Ventures und Intel Capital. Es geht also voran. Und so wie das Management in Barcelona AliExpress als Kundenmagnet begreift, dürften auch deutsche Shopping-Center-Betreiber in den Metropolen nur zu gerne ein attraktives Mietangebot vorlegen. Auch für Alibaba wäre dies der nächste logische Schritt. Über einen Einstieg bei Zalando kann man danach reden. Also so etwa ab 2022.

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