Längst ist der Marktplatz Amazon auch eine ganz große Nummer, wenn es um die Suche von Produkten geht. Doch Google schickt sich an, Amazon den Rang abzulaufen: Shopping Actions könnte für Konsumenten und Händler das Beste aus beiden Welten verbinden – hier Suchen, Finden und einfache Kaufabwicklung, dort weiter Kontrolle über den eigenen Katalog und die Preisgestaltung. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Shopping Actions auch nach Deutschland kommt.

Google Shopping Actions gibt es bislang nur in den USA und Frankreich. Dort hat Google seiner Ads-Plattform eine Transaktionsebene hinzugefügt, so dass Konsumenten ihre Produktsuche nun unmittelbar in Google abschließen können.
Shopping Actions ermöglicht es Händlern, ihre Produkte über Google Shopping übergreifend über verschiedene Google-Oberflächen hinweg anzuzeigen: Natürlich im Bereich der klassischen Suche, weiterhin bei Google Shopping, dem Google Assistant für Mobilgeräte, Google Shopping Handy-App, Google Images, Google Home und bald auch bei YouTube.

© Google


Google verarbeitet die jeweiligen Transaktionen und sendet Bestellinformationen zur Auftragsabwicklung an den Händler. Indem Google dem Konsumenten ermöglicht, direkt bei der Suchmaschine einzukaufen, setzt das Unternehmen ein deutliches Zeichen für die Bemühungen von Google, sich gegen Amazon zu stemmen.

Personalisierte Empfehlungen

Konsumenten können Produkte von teilnehmenden Händlern in einen Google-Warenkorb legen und mit der in ihren Google-Konten gespeicherten Zahlungsmethode auschecken. Wie bei Amazon werden auch personalisierte Empfehlungen angezeigt, die auf dem basieren, was sich der Nutzer zuvor angesehen hat.

Ein durchaus probates Mittel, zur Steigerung der Kundenloyalität, wie Channel Advisor befindet: Mit Googles tiefem Verständnis der Konsumentenabsichten und Kaufgeschichten sei es für die Konsumenten praktisch garantiert, dass sie jedes Mal, wenn sie einkaufen, ein personalisiertes Erlebnis erhalten. Die Plattform mache es den Menschen leicht, ihre Lieblingsartikel neu zu bestellen und neue Produkte zu entdecken.

Der Angriff auf den Shopping-Giganten Amazon sei nur logisch, analysiert seo-kueche.de. Google verdiene den Großteil seines  Umsatzes auf dem Werbemarkt, doch immer mehr Produktsuchen beginnen direkt bei Amazon. Wenn das erste Suchergebnis ein Amazon-Link ist, verschwinde der Nutzer sofort dorthin. Google wolle mit Shopping Actions den Nutzer in den eigenen Suchergebnissen halten und somit Amazon überspringen.

Mehr Spracheingaben

Treibende Kraft dieser Veränderung ist der Konsument, der heute Dank digitaler Möglichkeiten sehr viel stärker Einfluss nimmt, als dies früher der Fall war. Eine der Einflussnahmen ist die Sprachsteuerung. Smartphones und Spracheingabe haben die Art und Weise, wie Menschen einkaufen, verändert: Laut Channel Advisor ist in den USA mittlerweile das Verhältnis von getippten zu gesprochenen Eingaben 50:50.

Im E-Commerce nutzen 44% der Konsumenten sprachgesteuerte Geräte, um wöchentlich Produkte zu bestellen. Und bereits 40% der Online-Transaktionen erfolgten heute mobil. Weil sich die heutigen Kunden darauf verlassen, mit Hilfe von Mobiltelefonen und Spracheingabe von überall und jederzeit mit einer Vielzahl von Anwendungen und Geräten surfen und kaufen können, müssen die Händler entsprechende Angebot machen, wollen sie erfolgreich bleiben.

Auch wenn Shopping Actions so aussieht: ein Marktplatz mit Wareneinkauf, -lager und -lieferung ist es nicht, die Preise sollen weiter von den Händlern definiert werden, die auch für die Logistik verantwortlich sind. "Das scheint die Abgrenzung zu sein, die das Unternehmen versuchen will: dass Google der Freund des Einzelhändlers ist", beschreibt Search Engine Land pointiert den Unterschied zu Amazon.

One-Stop-Shop für die Customer Journey

"Googles oberstes Ziel ist es, dem Kunden einen One-Stop-Shop für die Customer Journey anzubieten, von der Produktrecherche bis zum Kauf. Aufgrund seiner breiten Nutzeraktivität könnte dies Google jenseits von Amazon vor andere Wettbewerber stellen", beschreibt Price Glomski, Executive Vice President der digitalen Marketingagentur PMG laut Digital Commerce 360 die Motivation bei Google.

 "Shopping Actions ist ein Format, das unser Werbeangebot ergänzt. Wir wollen die Händler so nah wie möglich an die Käufer heranführen, und zwar so, dass sie keine Verkaufschance verpassen", erklärt François Loviton, Director Brands and Retail bei Google France, gegenüber Business Insider France.

Der Zugang zum Shopping-Actions-Programm ist für Händler kostenlos. Im Gegensatz zu Google Shopping, das ein Pay-per-Click-Modell verwendet, folgt Shopping Actions einem provisionsbasierten Modell; Unternehmen zahlen erst, wenn ein Verkauf stattfindet. Die Provisionssätze liegen zwischen 5-20%, der durchschnittliche Provisionssatz liegt laut Seer Interactive bei 12%.

Die Plattform-Welt dreht sich zunehmend mobil.
© maria_savenko - fotolia.com
Trends

Der allmächtige Kunde und die Plattformen im Handel

Unterdessen hat Google seine Shopping-Plattform in den USA einem Relaunch unterzogen. Der Schritt müsse im Kontext von Shopping Actions gesehen werden, heißt es von Branchenbeobachtern: Es gehe darum, mehr Traffic für jene Werbungtreibenden zu generieren, die sich für Shopping Actions entschieden haben, zitiert Digital Commerce 360 den Account Director der digitalen Marketingagentur Adlucent Japhia Mangan. "Obwohl dieses Update Google in einen direkteren Wettbewerb mit Händleranzeigen bringt, ist es ein notwendiger Schritt, um mit Amazon mithalten zu können, wenn es um die Produktsuche und hier insbesondere die per Voice geht. Die Voice-Recherche ist die Zukunft des Produkthandels, und Shopping Actions wird es Google Assistant ermöglichen, Sprachanfragen zu beantworten und abzuschließen." Google ergreife Maßnahmen, um seine langfristige Wettbewerbsfähigkeit bei der sprachgesteuerten Suche und dem Voice Shopping zu sichern.

Vier einfache Schritte bis zur Aktivierung

Händler, die in den USA beziehungsweise Frankreich Shopping Actions nutzen wollen, müssen zunächst ein Merchant-Center-Konto einrichten, sofern sie noch kein Konto haben. Dort wird der Shop eingerichtet und die erforderlichen Parameter wie Versand, Steuern, Markenbildung, Retouren konfiguriert. Dann bedürfe es laut Google nur noch vier einfacher Schritte, um den Shop zu aktivieren: Es gilt auszuwählen, wie Bestellungen für Shopping Actions verwaltet werden, die AGBs zu überprüfen und ihnen zuzustimmen, das Schaufenster zu testen und das Angebot zu veröffentlichen.

Konsumenten suchen heute Inspirationen an vielen Orten. Ein Händler muss nicht überall verteten sein - aber dort, wo er die größten Chancen hat, "seine" Kunden zu erreichen.
© ChannelAdvisor
Plattformen

"Die kleinen Dinge richtig tun"

Wenn auch Händler in Deutschland Shopping Actions auf dem heimischen Markt noch nicht nutzen können, lohnt sich gleichwohl die Beschäftigung mit den Faktoren, die als erfolgversprechend beschrieben werden – viele sind Grundregeln für erfolgreichen eCommerce. "Der Ansatz "set it and forget it" ist eine große Falle, in die viele Einzelhändler geraten", schreibt Brian Roizen, Mitgründer der Feed-Plattform Feedonomics.

Wer wirklich auf Kanälen wie Google Shopping oder Amazon konkurrenzfähig sein wolle, müsse sicherstellen, dass Produktdaten vollständig optimiert und danach ausgerichtet sind, wonach die Menschen suchen. Darüber hinaus seien Titel, Beschreibung und Kategorisierung kritische Elemente, die regelmäßig überprüft werden müssten. Eine schnelle Lieferzeit als Voraussetzung maximaler Kundenzufriedenheit ist ebenso allgemeingültig: Nicht nur für Shopping Actions gilt, dass der Versand so schnell und kostengünstig wie möglich sein sollte. Und die Empfehlung, bei der Preisgestaltung die Preise der Konkurrenz sowie von Produkten in ähnlichen Kategorien zu analysieren, um entsprechende Anpassungen vornehmen zu können, sollte ebenfalls allgemein beherzigt werden.

Wenn Shopping Actions kommt, sollten Händler dann auf die GoogleAds verzichten? Eher nicht, lautet die Erfahrung von Seer Interactive: Mit Ambush Board Co. habe das Unternehmen die Auswirkungen von Shopping Actions auf die Pay-per-Click-Performance untersucht.

Das Ergebnis: Die Umsätze hätten zugenommen, wenn sowohl Shopping Ads als auch Shopping Actions eingesetzt wurden. Die höhere Produktpräsenz habe zu einem Anstieg der Conversions um 115% geführt und den Umsatz von Ambush verdoppelt.

MEHR ZUM THEMA:

© WDnet Creation - shutterstock.com
Marketing

Diese Kniffe bringen Anfänger bei Google AdWords wirklich weiter


Mit Google Shopping und den Produktanzeigen können Händler zusätzlich zu den Suchergebnissen auf sich aufmerksam machen
© Photomix LTD / Pexel
Marketing

Google Shopping: Diese Anzeigen-Tipps sind unverzichtbar


Marketing

Wie Sie Google Shopping und Adwords von Anfang an sinnvoll nutzen