Der Umsatz bricht weg, es fehlen finanzielle Mittel. Schnelle Hilfen sind rar. Mancher hofft auf den Geldsegen aus einer Ertragsausfall- oder Betriebsschließungsversicherung. Ist das die Rettung?

Mit dem Ausmaß der Corona-Krise hat keiner gerechnet. Für solch unerwartete Situationen sind Versicherungen da, aber in diesem Fall werden nur wenige Schutz haben.

Gelder fehlen, Umsätze brechen weg – die Situation im Einzelhandel ist brutal, weiß Niklas Günther, Mitgeschäftsführer der Finanzschreinerei Günther in Bad Orb. Seit 1985 makelt er Versicherungen für Einzelhändler und Handwerker.

Aktuell warten Händler dringend auf eine klare Antwort, ob eine Ertragsausfallversicherung oder eine Betriebsschließungsversicherung greift, wenn sie überhaupt eine haben.


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Corona-Krise: Wie Sie jetzt an Finanzhilfen kommen


Die Sache ist vertrackt. Ein Blick zurück: Schon häufiger haben Keime das wirtschaftliche Leben beeinträchtigt. Beispiel Sars. Die Krankheit hat zwar Europa wenig betroffen, doch gibt es Ähnlichkeiten zur Corona-Krise.

Seit dem Sars-Ausbruch, „ist die Abdeckung von Betriebsunterbrechungen infolge ansteckender Krankheiten in konventionellen Sachversicherungen kein primär zu versicherndes Interesse, sondern nur über individuelle Sonderlösungen zu versichern“, klärt beispielsweise die Homepage der Funke-Gruppe auf. Wer also eine solche Epidemie nicht individuell und explizit versichert hat, ist dort über eine Ertragsausfallpolice nicht versichert.

Hoffnungsfunke Betriebsschließungsversicherung

Denn grundsätzlich liegt einer Ertragsausfallversicherung eine Sachbeschädigung zugrunde, wie beispielsweise Brand oder Einbruch. Das heißt, sie fällt beim Thema Corona schon mal aus.

Eine ergänzende Versicherung kann die  Betriebsschließungsversicherung sein. Sie greift, wenn ein Betrieb beispielsweise aufgrund von Salmonellen durch die Behörden geschlossen wird.

Deshalb wird diese Absicherung typischerweise von nahrungsmittellastigen Unternehmen abgeschlossen wie Lebensmittelhandel oder Gastronomie.  Rund 15-20% der bei Günther unter Vertrag stehenden Händler haben eine. Alle anderen stehen mit leeren Händen da.

Zahlungsverweigerung nicht ausgeschlossen

Das Szenario einer behördlichen Schließung trifft bei Corona zwar zu, doch ob die Versicherung statt bei Einzelfällen – wie bei einem Salmonellenbefall –  auch bei einer bundesweiten Schließung bezahlt, diskutiert gerade jede Versicherung. „Die meisten Versicherer wehren sich“, ist der Eindruck von Niklas Günther. Zwei, drei kleinere Versicherer aus seinem Portfolio hätten bislang zugesagt.

Prüfung des Einzelfalls

Bei kleinen und mittelständischen Händlern wie im Handwerk ist Signal-Iduna traditionell gesetzt. Auch hier sind mehrere tausend Betriebe im Falle von Betriebsschließungen grundsätzlich versichert. Einige Leistungsanfragen sind bereits eingegangen. „Diese bearbeiten wir gerade“, betont Pressereferent Claus Rehse. „Wir bekennen uns zu unserer Verpflichtung und prüfen die Deckung in jedem Einzelfall", so die positive Botschaft. Zudem werden weitere Lösungen diskutiert, um ihre Kunden zu unterstützen beispielsweise über eine Stundung. Voraussichtlich diese Woche noch will Signal-Iduna noch eine Entscheidung an die Kunden kommunizieren.

Zeit wird zur Überlebensfrage

Niklas Günther ist mit den Versicherern im Dialog. Überwiegend hätten sie noch keine Entscheidung getroffen. Und das ist das Problem. Denn die Händler brauchen jetzt sofort Geld oder eine Geldzusage. Sie haben keine Zeit. 

„Das Überleben ist bei kleineren Händlern eine Frage von Tagen und nicht Wochen“, weiß Günther aus Gesprächen. Da ist keine Branche ausgenommen. Ob stationärer Schuhhandel, Mode, Lebensmittelhandel oder Elektronikfachmarkt – sie seien oftmals bereits verschuldet und Corona komme oben drauf.

Da helfen aktuell keine mageren Finanzhilfen. „Ich kenne niemanden, dem mit 9000 Euro geholfen ist“, erklärt er. Langwierigen Prozesse blockieren. Wie beispielsweise auch eine Bearbeitungsdauer von aktuell 60 Tagen für Kurzarbeitsanträge durch die regionale Arbeitsagentur, wie Günther berichtet.

Schnelle Hilfe gefragt

In dieser Situation belasten vor allem Miete und Personalkosten das Bankkonto. Wer auf Unternehmerkredite hoffe, muss einen langen Atem mitbringen, den kaum einer habe.

Es dauere schlicht zu lange, bis sie ankommen. Für Kunden der Volksbanken Raiffeisenbanken soll es ab heute anders werden. Die VR Smart Finanz, digitaler Gewerbekundenfinanzierer und ein Tochterunternehmen der DZ BANK AG, startet ab sofort ein neues Kreditangebot "VR Smart flexibel Förderkredit". So könne ein Kredit bis zu 100.000 Euro zu attraktiven Konditionen (ab einem Nominalzins von 1% per anno) angefragt werden.

Die tatsächlich gewährte Kreditsumme wird automatisiert ermittelt und innerhalb weniger Minuten entschieden. Auch die Auszahlung soll zeitnah erfolgen. Die gute Botschaft: Der Förderkredit ist im ersten Jahr tilgungsfrei.
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